Was sind Webfonts und wozu braucht man sie?

4. Juni 2014 by Simon Köhler

Während wir im Internet surfen, sehen wir oft das Schriftarten wie Helvetica, Arial oder Verdana für Headlines und Fließtexte verwendet werden. Das liegt daran, dass diese Schriftarten auf nahezu jedem Gerät verfügbar sind, und damit ein einigermaßen konstantes und plattformübergreifendes Schriftbild erreicht werden kann. Was aber, wenn beispielsweise Unternehmen ihre ganz eigenen Vorstellungen von Schriftarten, oder sogar eine eigens angefertigte „Hausschrift“ haben, und diese auch im Internet verwenden wollen? Eine Lösung heißt in den meisten Fällen: Webfonts!

Kann man jede Schriftart in eine Website einbinden?

Grundsätzlich nicht, theoretisch ja. Es gibt rechtliche, sowie auch technische Aspekte zu beachten.

In der Regel darf man eine für die „normale“ Nutzung (z.B. für Drucksachen) gekaufte Schriftart nicht einfach als Webfont genutzt werden. Hier verlangen die meisten Anbieter von Schriften den Erwerb einer Lizenz für die Nutzung als Webfont. Wer ein Schriftenpaket erworben hat, welches die Nutzung als Webfont mit umfasst, hat dann wohl Glück gehabt.

Einer der größten Anbieter für Schriftarten ist Linotype, ein übrigens weit über 100 Jahre altes, deutsches Unternehmen. Im Onlineshop unter www.linotype.com wird unterschieden zwischen unterschiedlichen Veröffentlichungsmodellen, und für jedes Modell muss eine separate Lizenz erworben werden. Linotype bietet seinen Kunden aber auch an, beim Erwerb eines Webfonts die passende Desktop-Version für den halben Preis gleich mit zu kaufen. Grundsätzlich wird bei Linotype zwischen folgenden Verwendungszwecken unterschieden:

  • Desktop-Font / Für die Nutzung in Printmedien, klassische Medien
  • Web-Font / Für die Nutzung im Internet
  • App-Fonts / Für die Nutzung in mobilen Apps
  • E-Pub Fonts / Für die Nutzung in Electronic-Publishing Produkten
  • Server-Fonts / Für die Nutzung auf Servern

Natürlich kostet eine solche Lizenz. Und zwar nicht immer wenig, wie etwa die Schriftfamilie „Helvetica Neue“ mit weit über 100,- € für Desktop- oder Webfonts, und bis zu über 1000,-€ für Server-Fonts. Es gibt aber auch bei Linotype günstige Schriftfamilien, beginnend ab etwa 30,- € und aufwärts.

Gibt es kostenlose Alternativen für Webfonts?

Zum Glück ja! Mittlerweile tummeln sich im Web zahlreiche kostenlose Webfont-Alternativen, wie etwa die beliebte Seite www.fontsquirrel.com, die zahlreiche kostenlose Webfonts zur kommerziellen Nutzung anbietet. Auch sehr interessant ist der Webfont-Service von Google, der mit seinen mittlerweile über 600 Schriftarten einiges zu bieten hat. Ich verwende für die Headlines in diesem Blog übrigens die Schrift „Roboto“. Google Webfonts haben noch eine Besonderheit: Man kann sie direkt per Code einbinden und braucht damit das Hosting der Schriften nicht selbst übernehmen. Wer möchte, darf die Schriftdateien aber auch auf seinem eigenen Webserver speichern.

Für viele der teuren und „hochwertigen“ Schriften wie etwa Helvetica, Myriad oder Futura, gibt es heutzutage kostenlose Alternativen, die dem Original sehr ähnlich sind. Hier kommt auch immer wieder die Frage auf, ob die Benutzer derart kleine Unterschiede überhaupt wahrnehmen, wenn Sie eine Website besuchen. Meiner Erfahrung nach hat es sich finanziell schon häufiger bewährt, einen ähnlich aussehenden kostenlosen Webfont statt des teuren Originals zu verwenden. Man sollte also immer zunächst schauen, ob sich im kostenlosen Bereich etwas finden lässt.

Was ist bei Webfonts technisch zu beachten?

Webfonts sind toll, weil sie uns ermöglichen, schönere und stimmigere Designs im Internet zu realisieren. Es gibt aber auch Nachteile im Gegensatz zur Verwendung der oben genannten Standard-Schriftarten:

  • Die Ladezeit der Website wird verlängert
    Die Ladezeit einer Website wird sich bei Verwendung von Webfonts zwangsläufig verlängern. Mit einer schnellen Leitung, die heutzutage in fast jedem Haushalt verfügbar ist, fällt das oft kaum ins Gewicht, aber unterwegs auf dem Handy oder Tablet-PC kann sich das doch deutlicher bemerkbar machen. Wer also Wert auf schnelle Ladezeiten legt, sollte überlegen ob Webfonts notwendig sind, und falls ja, diese auch am besten auf dem eigenen Server speichern, um nicht abhängig von der Geschwindigkeit anderer Anbieter zu sein.
  • Das Schriftbild wird nicht immer ideal dargestellt
    Das Schriftbild einer Website sieht auf unterschiedlichen Geräten unterschiedlich aus. Während der eine mit Windows arbeitet, haben andere ein neues MacBook. Und schon hier sieht man Unterschiede. Auf meinem Mac erscheinen die Schriften dieses Blogs gestochen scharf, während sie auf meinem Windows-Notebook leicht grobkantig dargestellt werden. Und dann gibt es noch Unterschiede, wenn ich Firefox, Safari oder den Internet Explorer nutze. Ältere Versionen des Internet-Explorers können Webfonts sogar bis zur Unlesbarkeit entstellen. Auch hierfür gibt es mittlerweile technische Hilfsmittel. Da der Internet-Explorer aber ohnehin nicht mehr der führende Web-Browser ist, kann in den meisten Fällen auch gepflegt darauf verzichtet werden. In jedem Fall sollte man natürlich im Zuge der Website-Optimierung, ein Fallback zur Standardschrift für solche Fälle einrichten.
  • Die Lesbarkeit wird oft überschätzt
    Viele Designer verwenden gern dünne und grazile Schriften, besonders im Bereich Beauty, Wellness, Gesundheit und Mode. Und es gibt natürlich auch entsprechende Webfonts für diese Zwecke. Nun wird häufig vergessen, dass der moderne Besucher auch mit dem iPad im Park sitzt und vielleicht auch noch die Sonne scheint. Abgesehen von den richtigen Kontrastverhältnissen, ist eine zu dünne Schrift einfach nicht mehr lesbar oder nur schwierig lesbar. Ähnliches gilt für zu stark verschnörkelte Handschriften oder Grunge-, Dirt- und Comic-Fonts. Wenn der textliche Inhalt oberste Priorität hat, gilt es das ideale Mittelmaß zwischen Lesbarkeit und Ästhetik zu finden.

Persönliches Fazit

Webfonts haben sich meiner Erfahrung nach ziemlich etabliert und ich ziehe fast immer die kostenlose Variante vor, wenn nicht ausdrücklich eine ganz bestimmte Schrift gefordert wird. Bei größeren Projekten, die ohnehin mehrere Tausend Euro verschlingen können, macht der Kauf einer Webfont-Lizenz von 100,-€ den Braten sicherlich auch nicht viel fetter. Hier noch meine am häufigsten verwendeten „Lieblings-Webfonts“ zum Abschluss:

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